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Der heilige Otto - unser Pfarrpatron

Als man vor zwei Jahrzehnten beschloss, in Herzogenaurach eine weitere Pfarrei zu gründen, hat man bewusst den Namen des bedeutenden Bischof Otto als Patron auserwählt. Das großartige Lebenswerk des einzig heiliggesprochenen Bischofs der Bamberger Diözese, seine Aktivitäten - auch im Aurachgrund - waren ausschlaggebend für die Namenswahl.

Im Jahre 1100 ist das Benediktinerkloster Münchaurach gestiftet und gebaut worden. Der heilige Bischof Otto hat im Jahre 1128 dieses Stift selbst geweiht und mit etlichen Gütern auf ewige Zeiten ausgestattet. So erzählt ein historischer Quellenbericht. Wir erfahren, dass der bedeutendste Bamberger Oberhirt in unserer unmittelbaren Nachbarschaft genauso gewirkt hat, wie es die Geschichte von ihm behauptete: 27 Klöster wurden während der Amtszeit Ottos I. gegründet oder erweitert.

Der Wiederaufbau des Bamberger Doms, der nach einem Brand 1081 stark zerstört und die Restaurierung des Klosters auf dem Bamberger Michaelsberg, das durch ein Erdbeben 1117 beschädigt worden war, sind neben dem Bau der Kirche in Münchaurach die bedeutendsten Leistungen für unsere unmittelbare Umgebung.

Wer war dieser Bischof, der bereits 50 Jahre nach seinem Tod (1139) heiliggesprochen wurde (1189).

Ein Gedenktag wird alljährlich am 30. September, dem Tag der feierlichen Erhebung seiner Gebeine, begangen. Knapp 80 Jahre war er alt, als er nach reger diplomatischer und missionarischer Tätigkeit auf dem Bamberger Michaelsberg beerdigt wurde. Um 1060 war Otto als Spross eines begüterten schwäbischen Adelsgeschlechts geboren worden. Nach geistlicher Ausbildung in Hirsau (daher wohl auch seine Vorliebe für die Benediktiner), wurde er Hofkaplan der Kaiserschwester Judith Sophia am polnischen Herzogshof in Gnesen. Von nun an stand seinem steilen Aufstieg nichts mehr im Wege.

Zunächst wurde er mit diplomatischen Aufgaben beauftragt, dann von Kaiser Heinrich IV. zum Kanzler des Reiches und zum Bischof von Bamberg ernannt. Zwar war er Weihnachten 1102 vom Kaiser zum Bischof ernannt und mit Ring und Stab investiert (eingesetzt) worden, doch zögerte er seine Weihe noch lange hinaus, bis er sie vom Papst selbst vier Jahre später empfangen konnte. Schließlich lagen seit 1076 der deutsche Herrscher und das römische Reformpapsttum in einem dauernden Streit, in dem es um die Frage ging, wem die Einsetzung von Bischöfen zustehen würde. In diesem sog. Investiturstreit, der 1122 im Wormser Konkordat gelöst wurde, spielte der Bamberger Bischof Otto eine entscheidende Vermittler- und Schlichterrolle.

Für die Geschichte des Abendlandes von besonderer Bedeutung war die engagierte Missionstätigkeit des Bamberger Bischofs in Pommern. Auf zwei großen Missionsreisen in den Jahren 1124 und 1128 legte er die Grundlage für den Ausbau der dortigen Kirche. Für seine Tätigkeit wurde er später mit dem Titel “Apostel der Pommern" bedacht.

Neben der genannten Missions- und Seelsorgertätigkeit im eigenen Bistum tat er sich als kluger Seelsorger und politisch weitsichtiger Verwalter hervor. Zwei große Synoden wurden während seiner Regierungszeit 1134 und 1137 in Bamberg abgehalten.

Jahrhundertelang wurde und wird Bischof Otto als Helfer und Fürsprecher in Sorgen, Nöten und Krankheiten verehrt.

Klaus-Peter Gäbelein

    vgl.: Klaus-Peter Gäbelein: “Bischof Otto - ein kluger Seelsorger”
    in: Eine Gemeinde erinnert sich.
    Festschrift zur Einweihung der St. Otto Kirche,
    Herzogenaurach. 12. Juni 1994, S. 13f.

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