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Mit allen Wassern gewaschen
Die Fische hatten schon eine lange Zeit staunend zugesehen, wie Johannes der Täufer im Jordan stand und Menschen mit Wasser
taufte.
„Was macht der da bloß?“, wollte ein kleiner Fisch wissen und fragte im Schwarm herum, warum Johannes Wasser über die
Köpfe der Menschen goss. Der älteste und weiseste Fisch antwortete: „Ich hörte, es ist ein Zeichen der Umkehr für die Menschen. Sie sollen fortan ihr Leben zum Guten ändern, miteinander teilen, was sie haben,
und sich gegenseitig lieben und helfen. Diejenigen, die dazu bereit sind, tauft Johannes mit Wasser. Sie warten auf den, der nicht mit Wasser, sondern mit dem heiligen Geist tauft und bald kommt, um die Welt zu
retten. So sagt dieser Johannes jedenfalls.“ -
„Das will ich auch!“, rief der Fisch begeistert. „Das Wasser, das mir das Liebste im Leben ist, teile ich mit euch. Die
Nahrung, die ich finde, esse ich mit euch. Und die Gefahren, die ich sehe, überwinde ich mit euch. Ich will auch getauft werden!“, beteuerte er und schwamm geradewegs auf Johannes zu. Doch Johannes bemerkte
den Fisch zwischen seinen Beinen gar nicht und taufte weiter Menschen.
Verzweifelt versuchte der kleine Fisch, auf sich aufmerksam zu machen: Er schwamm durch die Beine von Johannes, hin und her.
Doch Johannes bemerkte ihn nicht. Er sprang aus dem Wasser hervor, Johannes fast in die Hände, doch dieser bemerkte den Fisch noch immer nicht.
Der kleine Fisch wollte schon fast aufgeben, als er plötzlich eine ungeahnte Kraft in sich spürte und einen hohen Sprung aus dem
Wasser wagte, ohne an die Gefahr zu denken. Johannes war gerade dabei, einen jungen Mann zu taufen, der vor ihm stand, als der Fisch zwischen den beiden auftauchte. Bis in das Gesicht eines Menschen: So hoch war der
kleine Fisch noch nie gesprungen.
Doch dieses Mal hatte er die Wange des Mannes, der vor ihm stand, nur knapp verfehlt. Auf dem Sturzflug zurück in den Fluss,
kurz bevor der kleine Fisch wieder in das Wasser eintauchte, traf ihn ein kleiner Tropfen, von dem auch so eine angenehme Wärme ausging. Sogleich schwamm der Fisch zurück zu seinem Schwarm und rief schon von weitem:
“Ich bin getauft! Ich bin getauft“. Nun könnte man meinen, es käme bei einem Fisch nicht auf einen Tropfen Wasser mehr oder weniger an … Doch dem war nicht so!
Von diesem Tage an sprühte der kleine Fisch vor Kraft.
Er schwamm schneller als alle anderen Fische, wenn der Schwarm in Gefahr war, und fand schnell ein Versteck für alle. Er fand
mehr Nahrung als alle anderen Fische und tauchte tiefer, wenn es sein musste. Und immer war er fröhlicher als die anderen, auch an trüben Tagen.
„Wie machst du das nur?“, fragten die anderen Fische bald. „Ich bin mir nicht sicher!“, antwortete der kleine Fisch.
„Doch dieser eine Tropfen Wasser verlieh mir unglaubliche Kraft.“ - „Wo finden wir dieses Wasser?“, wollten die anderen Fische natürlich sofort wissen. „Führe uns zurück zu der Stelle, an der Johannes
diesen Mann getauft hat.“ – „Da werden wir wohl unser Leben lang unterwegs sein. Denn wir können nicht wissen, wohin die Taube geflogen ist, die ich über mir sah, als ich den größten Sprung
meines Lebens wagte. Vielleicht war es eine Träne der Taube“, sprach der Fisch weiter und teilte die Nahrung unter ihnen auf, die er wieder einmal gefunden hatte.
„So sind die Christen eben“, meinte da der älteste und weiseste Fisch unter ihnen: „Ein Leben lang unterwegs und mit allen
Wassern gewaschen. Wie Fische eben!“
Quelle: Karin Müller / www.pfarrbriefservice.de
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