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Das Wohnzimmer Gottes
> Schwester Ruth Müller und Kaplan Franz Noppenberger
> Basteln für die “neue St. Otto-Kirche” > Freude bei Fest und Feier
> Die Gemeindeaufgaben wachsen > Tatkräftige Hande überall
> Musikalische Erlebnisse der besonderen Art > Erster Sachausschuss St. Otto
> Osternacht und St. Otto-Fest > Schöne Erinnerungen an das Wohnzimmer Gottes
Bei einem Spaziergang zum nahen Birkenbühl sah ich unsere neue Kirche mit ihrem silberfarbenen Dach in der
Abendsonne liegen. Dieser Anblick stimmte mich froh und doch gleichzeitig wehmütig, denn ich denke auch noch gerne an unsere alte Holzkirche mit ihrem blühenden Garten zurück; war sie doch die “Wiege”
der gesamten religiösen und gemeindlichen Aktivitäten der Gemeinde St. Otto.
Schwester Ruth Müller und Kaplan Franz Noppenberger
Ein Telefonanruf des damaligen Stadtpfarrers Geistl. Rat Leonhard Ritter brachte unsere Familie 1972 von der Störcherstraße in die
Maria-Lerch-Straße. Die katholische Kirche vergab 10 Grundstücke mit der Bitte, die Aufbauarbeiten für eine neue Kirchengemeinde im Norden der Stadt zu unterstützen und mitzuwirken. Auf dieses Versprechen gründet
sich das Bemühen meiner Familie in der Mitwirkung der Gemeindearbeit.
Im Jahre 1979 besuchten Schwester Ruth Müller und Kpl. Franz Noppenberger alle katholischen Familien, um sie zur Einweihung der
Behelfskirche und zur Mitwirkung in der Gemeinde einzuladen.
Sr. Ruth Müller führte als erstes einen aus 7 Frauen bestehenden Kreis, der sich 14tägig traf. Dort wurde in persönlichen Gesprächen,
Bibellesungen und -auslegungen, Diavorführungen usw. Kommunikation gepflegt. Improvisation war zu Beginn und noch einige Jahre ein geflügeltes Wort in St. Otto, dadurch auch manches liebenswert. Sr. Ruth spielte bei
Ausfall der Harmoniumspieler mit viel Temperament mit ihrer Gitarre. Erst kürzlich erinnerte sich eine ältere Kirchenbesucherin, wie Sr. Ruth nach Gottesdienstschluss noch das Lied vom biblischen Zacharias mit
großer Begeisterung sang und sie - nach so und so viel Strophen - nur noch das Stoßgebet “Herr, lass ihn endlich vom Baume steigen” für ihre in der Röhre bruzzelnden Ente zum Himmel schicken konnte.
In dieser Zeit konnte man Kpl. Noppenberger mit dem Schubkarren sehen, um den Humus zu verfahren und mit viel Liebe einen Garten
anzulegen, der die Kirchenbesucher mit seinen Blumen erfreute und zur Verschönerung des Gotteshauses diente. Gegen Abend sah man ihn mit den Jugendlichen auf der Wiese bolzen, um sie von den Straßen der Wohnsiedlung
zu holen. Dies führte dann zur Gründung der Jugendgruppe. Unvergesslich sind für diese Jugendlichen, wie mir heute noch meine 30jährige Tochter versichert, die Jugendgruppenabende, Winterwanderungen, Zeltlager und
Kochkurse.
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Basteln für die “neue St. Otto-Kirche”
Im Sommer 1980 wurde Sr. Ruth von ihrem Orden nach Frankreich zum “stillen Jahr” gerufen und auf ihr Drängen hin übernahm
ich den Frauenkreis. Unser erstes Ziel war nun, den Kreis zu erweitern und es gelang uns nach und nach, diesen zu einem festen Treffpunkt von ca. 15 Frauen zu machen. Bei einem Bastelabend im Winter 1980 für den
Christbaumschmuck der Kirche wurde die Idee geboren, auch Schmuck für die Gemeinde herzustellen und den Erlös für “unsere neue Kirche” zu verwenden. Diese Bastel-Idee wurde mit dem Osterschmuck 1981 in
die Tat umgesetzt. So folgten viele Abende und fleißige Hände, um diesem Ziele näher zu kommen. Es waren am Anfang vor allem die Frauen, die Kpl. Noppenberger unterstützten und den “Gemeindekern”
bildeten, also auch hier, wie in der Bibel, Marias und Marthas.
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Freude bei Fest und Feier
Durch den größeren Kreis konnten die anfallenden Arbeiten aufgeteilt werden. Ich erinnere mich oft und gerne z. B. an unsere Dora
Kuhn, die trotz ihrer Krankheit die Bearbeitung und Fürsorge des Gartens bis zu ihrem Tode übernahm. Frau Anni Simon und Elfi Hacker trugen durch selbstverfasste Gedichte, Theaterstücke und Lieder dazu bei, dass wir
bei Pfarrbällen, Frauenbundfasching, Geburtstagen usw., aktiv mitwirkten. Wer erinnert sich nicht an die “Otto-Wandergruppe” mit dem frechen Slogan “Otto grüßt den Rest der Welt”,
Mazurka-Tanz, der Zigeunergruppe mit ihrem Tanzbären, den “Kirchenmäusen”, Bauhandwerkern, den Clowns und den Tramps von St. Otto. Mit viel Engagement wurden die Kostüme von Fr. Anni Hacker, Rita Kraus,
Fr. Eck, Ilse Frenzel und Anni Simon geschneidert.
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Die Gemeindeaufgaben wachsen
Es wurden Besuchsdienste bei Kranken und älteren Gemeindemitgliedern eingerichtet und Neuzugänge begrüßt. Durch diese Aktivitäten
wurden auch die Männer der Gemeinde einbezogen und so entstand ein “gemischter Kreis”, der ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelte und auf die übrige Gemeinde übertrug. Gleichzeitig wurde von
Kaplan Noppenberger und einem Kreis aus 10 Männern und Frauen die gemeindlichen und liturgischen Aufgaben besprochen und ausgeführt.
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Tatkräftige Hande überall
Ich selbst übernahm im November 1980 die Mesnerarbeiten, die bis dorthin von Kpl. Noppenberger, Stadtkirchenmesner Robert Maier und
Karin Scharf ausgeübt wurden. Robert Maier und Marianne Baer vom Pfarrbüro waren aber auch immer wieder unsere guten “15. Nothelfer”, die uns viele Arbeit abnahmen. Überhaupt wurden wir von vielen
tatkräftig unterstützt, wenn Hände und Hilfe gebraucht wurden, ich denke hier auch an die früheren Hausmeister vom St. Otto Kindergarten.
Wanderungen der Gemeinde nach Welkenbach und Reuth, mit anschließender Maiandacht in der “Rentner-Ranch”, bei der die
Vögel und wir zum Lobe Gottes um die Wette sangen, sind noch gut in Erinnerung. In dieser Zeit wurden auch das Faschingstreiben im Gymnastiksaal des Kindergartens, die Adventsfeiern, die traditionelle
“Dreifaltigkeitsandacht” an der Kapelle, die Fußwallfahrt nach Veitsbronn eingeführt.
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Musikalische Erlebnisse der besonderen Art
Die erste musikalische Untermalung der Kirchenlieder erzeugte das geliehene Harmonium des Herrn Stadtpfarrers Sterzl, was unserem
Krausn Hans sehr entgegen kam. Was quälten sich die “freiwilligen Organisten”, wie Annette Krautheim und Christoph Fischer, mit den langsamen Klängen dieses Instrumentes herum. Ein Bild allerdings werde
ich nie vergessen, als unser “Dom-Organist” Chr. Fischer die von Dora Kuhn gestiftete Orgel das erstemal zum Klingen brachte. Er spielte bis zur Segnung der neuen Orgel noch auf dem Harmonium, ging dann
feierlich zur neuen Orgel, um diese erklingen zu lassen. Zwei Männer schoben das Harmonium zur Seite und ... drei Mäuschen saßen noch andächtig auf dem Platze und wurden erst durch das Brausen der neuen Orgel
erschreckt; sie suchten Schutz unter der Altar-Insel. Auf der neuen Orgel spielten dann noch Alex Ort, der neue und auch “flotte” Töne in unsere Kirche brachte und dem der Herrgott während einer Predigt
bis zum Glaubensbekenntnis den Schlaf der Gerechten schenkte. Inge Breun spielt nun schon lange Zeit unsere Orgel und ist auch für “Psalm-Gesänge” verantwortlich. Kinder und Jugendliche, wie Annette und
Andrea Krautheim, Martina Lehner, Tanja Limmert, Andrea Weigand, spielten mit Flöte und Gitarre bei Gottesdiensten und Kpl. Noppenberger sang mit der Gemeinde die Taizé-Lieder und Kanons aus vollem Herzen. Unter der
Leitung von Ricarda Alt sang erstmals ein gemischter Chor aus Gemeindemitgliedern fränkische Weihnachtslieder.
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Erster Sachausschuss St. Otto
Nachdem Kpl. Noppenberger die Pfarrstelle in Niederndorf mitbetreuen musste, wurde erstmals der Gemeinde ein Pastoral-Assistent zur
Seite gestellt. PA Bernhard Meier-Hüttel rief einen Sachausschuss mit Vorsitzender Erna Schwab ins Leben, der auch im Pfarrgemeinderat vertreten war. Einmal monatlich wurde mit den evangelischen Schwestern und
Brüdern ökumenischer Gottesdienst abgehalten, der immer sehr gut besucht war. Die Bibelabende unter Leitung von H. Uphoff waren Garant für gute Beteiligung.
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Osternacht und St. Otto-Fest
Erstmals wurde auch mit viel Freude die Osternacht auf 5.00 Uhr morgens verlegt und vom Pater Rosmanid von den Comboni-Missionaren aus
Bamberg mit uns gefeiert, anschließend trafen wir uns im Gymnastikraum zum Osterfrühstück. Nach den Ostergottesdiensten bekamen die Kinder und Gläubigen Ostereier geschenkt, die beim erstenmal meine Familie am
Karsamstag bis um 2.00 Uhr früh färbte. Das nächste Mal wurden aber bereits gefärbte Eier gekauft. Ebenso bekamen alle Kirchenbesucher zum Erntedankfest Brot und Saft, während wir die Kinder mit Weintrauben
beschenkten.
Etwas früher schon wurden - wenn auch im bescheidenen Rahmen - bereits kleine Ottofeste gefeiert. Das erste große Ottofest feierte die
Gemeinde mit einem festlichen Gottesdienst. Musikgruppen oder Chöre, die den Gottesdienst verschönerten, wie Weiler Chor, die mitimaes, die Waldler- und Schrammelmesse, sowie die Musikgruppen für die Jugend bleiben
immer noch im Gedächtnis. Die “fränkischen Nachmittage” mit den Wilhelmsdorfer-Zirkelschmieden, den Fränkischen Straßenmusikanten, den Rangerbutzn aus Ebermannstadt und unseren vorgetragenen fränkischen
Versli trugen zum Kennenlernen und zur Kommunikation zwischen Gästen, Nachbarn und Gemeinde bei. Dies war auch unser Ideal und Ziel.
Die Kräuterwanderung mit anschließender Segnung der Kräuter, Palmenweihe an der Dreifaltigkeitskapelle, das Fastenessen und das erste
Gemeindewochenende am Feuerstein ergänzten die Aktivitäten der Kirchengemeinde. Pastoralreferent Norbert Schleicher löste Bernhard Meier-Hüttel ab und ist jetzt noch in der Pfarrei mit großem Eifer und Engagement
tätig.
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Schöne Erinnerungen an das Wohnzimmer Gottes
Ach ja, für die Überschrift wählte ich “das Wohnzimmer Gottes”! Dazu kam ich durch eine Begebenheit während meiner
Tätigkeit als Mesnerin. Ich schmückte an einem warmen Samstagabend die Kirche mit Blumen und hatte alle Türen und Fenster offen. Da kam eine Frau zögernd auf mich zu und erkundigte sich, ob sie hier etwas sitzen und
beten könne. Sie wäre bei ihrer Tochter zu Besuch und stamme aus Eichstätt, wo es ja wunderschöne alte Kirchen gäbe, aber hier in dieser Kirche fühle sie sich beim Beten wie im “Wohnzimmer vom lieben
Gott”. Dies half mir oft, wenn ich im Winter bei großer Kälte meine steifgefrorenen Füße nicht mehr spürte und die Blumen in der Vase einfroren oder im Sommer bei sengender Hitze unter dem Blechdach, wenn ich
verschwitzt nach frischer Luft japste. So in Gedanken betrachte ich die neue Kirche und hoffe und wünsche mir, dass es auch ein “Wohnzimmer des Herrgotts” wird, das viele zum Beten und Betrachten einlädt.
Den tätigen Gemeinde-, Pfarrgemeinderats- und Kirchenratsmitgliedern wünsche ich Gottes Segen zu ihrer Arbeit und den Idealismus und
das Gottvertrauen der ersten Mitarbeiter von St. Otto. Jeder Besucher, Gast und Mitglied dieser Gemeinde ist es wert, angesprochen und wie eine Schwester und ein Bruder in Christus aufgenommen zu werden, so wie es
zum Beginn der Pfarrei unser Leitgedanke war.
Betty Lehner
vgl.: Betty Lehner: “Das Wohnzimmer Gottes”, in: Eine Gemeinde erinnert
sich. Festschrift zur Einweihung der St. Otto Kirche, Herzogenaurach. 12. Juni 1994, S. 16-21
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